Drama

„Kleine große Schritte“ von Jodi Picoult

von am Oktober 23, 2017

Information

Verlag: C. Bertelsmann
ISBN: 978-3570102374
Seitenzahl: 592 Seiten
Format: gebundene Ausgabe, eBook, Hörbuch

Diese Rezension bezieht sich auf die gebundene Ausgabe.

Handlung

Als Afroamerikanerin hatte es Ruth Jefferson nie leicht. Aber sie ging unbeirrt ihren Weg. Sie wohnt nun ganz selbstverständlich in einem Viertel, welches überwiegend von Weißen bewohnt wird, ihr Sohn geht auf eine Schule, die von Weißen besucht wird und Ruth ist eine erfahrene und gute Säuglingsschwester. Die einzige schwarze Schwester, die als Hebamme auf der Entbindungsstation des Krankenhauses arbeitet. Ihre schwarzen Freunde sind jedoch skeptisch, ob Ruths Leben wirklich so reibungslos und ohne Vorurteile verläuft. Und tatsächlich ist sie immer wieder Sticheleien und Skepsis ausgesetzt, auch von langjährigen Arbeitskolleginnen. Doch Ruth lächelt es weg, schließlich meinen sie alle es ja nicht böse. Es ist eben noch immer dieses Denken, was in den Köpfen der Menschen, ungewollt, steckt.
Ruths Leben gerät jedoch ordentlich ins Wanken, als ihr untersagt wird, sich um ein Neugeborenes zu kümmern. Die Eltern des kleinen Davis sind Rassisten und machen aus der Abneigung kein Geheimnis.
Kurz nach der Geburt ist Ruth einen Augenblich allein mit dem kleinen Davis, dieser bekommt Luftnot und einen Herzstillstand. Ruth ist hin- und hergerissen. Soll sie sich der Anweisung der Klinikleitung widersetzen und dem Jungen helfen? Nach kurzem Zögern hilft sie dem Jungen, ein Arzt kommt dazu und eine weitere Kollegin. Jedoch kommt alle Hilfe zu spät, und Ruth wird vom Kindesvater angezeigt. Sie soll schuld am Tod des Neugeborenen sein.
Eine emotionale und nervenaufreibende Zeit beginnt, in der Ruth immer wieder auf diese kleinen rassistischen Situationen im Alltag stößt, die selbstverständlich in der Gesellschaft scheinen, die Ruth aber kaum ertragen kann.

Layout

Das Buch kommt mit einem altrosa Papierumschlag daher, den man abnehmen kann. Das gebundene Buch an sich ist dunkelblau. Auf dem Umschlag ranken Orchideen. Die Schriftart gleicht der Schrift der vorangegangen Picoult Romane und bietet somit ein unübersehbares Wiedererkennungsmerkmal.
Die Kapitel werden von den Hauptprotagonisten erzählt und sind durch die Namen in der Überschrift gut voneinander abgrenzbar.

Fazit

Mit diesem Buch bin ich praktisch durch die Hölle der Gesellschaft gegangen. Ich war wütend, fassungslos, musste weinen und hätte am liebsten geschrien. Was stimmt den nicht mit der verkorksten Menschheit? Haben wir noch immer nicht begriffen, dass wir alle zumindest eines sind, und zwar Menschen? Hautfarbe, Glaube oder was weiß ich, einfach egal?
Jodi Picoult versteht es, den einzelnen Protagonisten im Roman ihren Raum zu geben, so dass man die Möglichkeit hat, jede Sichtweise zumindest nachzuvollziehen, auch wenn man vielleicht nicht jede befürwortet.
Die Protagonisten erzählen von ihrer Vergangenheit und von den Erlebnissen während des Prozesses. Das Buch ist sehr vielschichtig und das Thema Rassismus wird nie von nur einer Seite beleuchtet. Vor allem die Welt von Kindsvater Tuck wird greifbar in Szene gesetzt und man bekommt eine Idee von den Wurzeln des Rassismus.
Ruth verliert im ganzen Buch nie den Mut und ist für die leise Geschichte, die mehr so zwischen den Zeilen spielt, zuständig.
Mich hat das Buch gepackt. Schon auf den ersten Seiten, auf denen ich fassungslos innehalten musste, als dir Familie die Hebamme vor die Tür gesetzt hat.
Das ganze Buch spiegelt dieses unglaublich unfassbare Dilemma der Gesellschaft wieder. Obwohl man es vielleicht gar nicht will, besteht in jedem von uns die Gefahr, ansetzte von Rassismus im Denken zu haben. Keiner ist davon befreit.
Jodi Picoult geht mutig und offen an ein brisantes Thema, welches nach wie vor aktuell ist. Dabei wird sie nie die moralische Autorin, die mahnend den Zeigefinge hebt. Vielmehr versteht sie es den Leser zur Selbstreflektion zu bringen. Ich habe mich immer wieder selbst hinterfragt. Wie sehe ich das eigentlich?
Dieses Buch lege ich wirklich jedem ans Herz, denn es sollte von jedem gelesen werden, egal welches Genre man mag. Es macht die Welt vielleicht nicht besser, aber es hilft, viel öfter mal über sich und sein eigenes Handeln nachzudenken. Stoße ich vielleicht selbst manchmal, wenn auch ungewollt, Menschen vor den Kopf, weil sie für mich „anders“ sind?
Von mir 5 Eseslsöhrchen.

Meine Bewertung:

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Drama

„Der Flügelschlag des Glücks“ von Lisa Jewell

von am März 28, 2017

Information:

Verlag: Limes
ISBN: 978-3-8090-2649-5
Seitenzahlt: 448 Seiten
Format: Taschenbuch, eBook, Hörbuch

Diese Rezension bezieht sich auf das eBook.

Handlung:

Ein Haus, eine sorgende Mutter und als zentraler Punkt immer das Osterfest.
Nachdem Mutter Loreley Bird gestorben ist, kommen alle Kinder wieder zurück in ihr Elternhaus. Es gibt viele Erinnerungen an diesem Ort. Und obwohl die Mutter immer versucht hat, alles so idyllisch wie möglich, vor allem zu Ostern, zu gestalten, war hinter der perfekten Fassade nicht alles rosig.
Loreley war ein Messie, noch als alle Kinder zu Hause waren, stapelte und hortete sie Sachen, bis zu ihrem Tod.
Das prägte die Kinder. Und als es an einem Osterfest zu einer Familientragödie kommt, zerbricht die Familie endgültig.
Nun, nach dem Tod der Mutter, sollen die Geschwister endlich die Gründe für den derben Schicksalsschlag erfahren.
Was treibt einen Menschen in den Selbstmord und was bringt einen Menschen dazu, nichts loszulassen, egal wie sinnlos es erscheint?

Layout:

Ein gemaltes Cover. Im Vordergrund ein Baum, darunter sitzt ein Mensch der liest, im Hintergrund ein Haus. Eine Grüne Wiese und der blaue Himmel. Eine idyllische, ruhige Szenerie. Die geschwungene Schrift des Titels fügt sich harmonisch mitten auf dem Bild ein,

Das Buch ist in Kapitel unterteilt, diese wiederum in Zeitabschnitte, immer zu Ostern in den verschiedenen Jahren.

Leider ist die Formatierung nicht sehr glücklich, so dass man einige Szenenwechsel nicht gut erkennt.

Fazit:

Eine sehr spannende Familiengeschichte bekomme ich hier geboten. Die Schreibweise der Autorin begeistert mich sofort und obwohl ich zu Anfang durch die Handlungssprünge nicht sofort zurechtkam, las ich dank Lisa Jewells Art und Weise zu erzählen, weiter.
Sehr einfühlsam wird die Geschichte der Familie Bird erzählt. Schon früh zu Beginn der Geschichte wird klar, dass Mutter Loreley eine schwierige Person ist und der Drang, Dinge aufzuheben und zu sammeln schon immer ihr Leben bestimmt hat.
Schön wird aufgezeigt, wie die Familienmitglieder mit der Situation umgehen, wie es sie prägt und was für Konsequenzen sie ergreifen. Jeder Protagonist ist nachvollziehbar ausgearbeitet und handelt schlüssig in den jeweiligen Situationen. Sie bekommen Tiefe und man kann sich in die Charaktere hineinversetzen.
Ungewöhnlich und deswegen für mich umso spannender war die Tatsache, dass Ostern der zentrale Zeitpunkt ist, nicht, wie man es in viele anderen Romanen liest, Weihnachten.
Die Geschichte wird durch Rückblenden erzählt, immer mal wieder komme ich aber auch zurück in das aktuelle Jahr 2011 und so fügt sich Stück für Stück das Mosaik zusammen. Und irgendwie rücken auch Stück für Stück die Geschwister wieder zusammen.
Denn es wird klar, egal was passiert, Zusammenhalt ist das wichtigste.
Ich war rundum zufrieden nach dieser Lektüre und deswegen auch 5 Eselsöhrchen.

Meine Bewertung:

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