„Bleibt das jetzt so?“ von Isabell Horn

Biografie Bücher Frauen Lebensgeschichte

Information

Verlag: Heyne
ISBN: ‎ ‎ 978-3-453-60625-8
Genre: Biografie
Seitenzahl: 224
Format: Taschenbuch, eBook, Hörbuch

Diese Rezension bezieht sich auf die Taschenbuchausgabe. Ich danke dem Heyne Verlag für dieses Rezensionsexemplar.

Das Buch in einem Satz:
Depressionen können einen ganz schön aus der Bahn werfen.

Dieses Buch habe ich mir ausgesucht, weil ich selbst Betroffene bin. Seit über 5 Jahren leide ich an Depressionen und Angstzuständen. Ich weiß, dass „Depressionen“ eine unheilbare Krankheit ist, die immer unter der Oberfläche schlummert. Gerade deshalb interessiert es mich, wie andere Patienten mit dieser Krankheit umgehen.

Der Anfang vom Ende

Isabell Horn kennt der eine oder andere sicherlich aus „Gute Zeiten Schlechte Zeiten“, in der sie die stets gut gelaunte Pia gespielt hat. Dass in ihrem echten Leben, fernab von Drehstress und Starrummel nicht alles so rosig ist, wird beim Lesen dieser Biografie schnell klar.

Ihre erste depressive Phase erlitt sie, als man ihr bei einer Produktionsbesprechung mitteilte, dass die Geschichte von „Pia“ auserzählt sei, und ihre (Arbeits-)Tage am Set von GZSZ gezählt seien. Kein „Hey, wir überlegen uns was“, oder ein „Wir sagen dir rechtzeitig Bescheid, damit du dir was Neues suchen kannst.“ Nein, Von jetzt auf gleich wurde ihre Rolle gestrichen. Damit begann für Isabell Horn der Anfang vom Ende, und der Abrutsch in die Depression.

Ihr Leben seit der Diagnose war eine stete Achterbahnfahrt von guten und schlechten Phasen.

Mehr als nur eine Autobiografie

Ziemlich kurze Inhaltsangabe, aber ganz ehrlich, was soll ich auch schreiben, ohne jeglichen Inhalt vorwegzunehmen? Es sind halt „nur“ 224 Seiten, und bei aller Wichtigkeit des Themas „Depression“ ist Isabell Horn jetzt auch noch nicht so alt, als dass ihre Biografie schon ganze Regale füllen könnte.

Aber was fasziniert mich – auch als Betroffene und Depressions-Patientin – jetzt so an diesem Buch?

Es ist eben mehr als nur eine Autobiografie. Neben ihrer eigenen Krankengeschichte erfährt man noch sehr viel mehr zum Thema Depression, und Isabell Horn gibt Einblicke, wie sie mit der Krankheit umgeht, wie sie den depressiven Phasen begegnet ist, und es – bis zum Ausbruch der Corona-Pandemie – auch geschafft hat, das Monster „Depression“ in einen mehr oder weniger großen Käfig zu sperren, aus dem es zwar hin und wieder mal faucht und wütet, aber sonst „wenig Schaden“ anrichtet.

Spoiler: Die Corona-Pandemie hat – nicht nur bei Isabell Horn – dazu geführt, dass das Monster neues Futter bekommt. Isolation, kaum soziale Kontakte, die eigenen vier Wände, die nach einigen Tagen auch keine spannenden Neuerungen mehr bieten…

Jeder, der selbst gegen dieses Monster kämpft, wird sich in dem Buch von Isabell Horn wiederfinden. Es ist ein Spiegel, der depressiven Menschen nur allzu bekannt vorkommt.

Das geht sogar soweit, dass man den ein oder anderen Spruch liest, den man selbst von der eigenen Therapie kennt.

Isabell, Ich und fünf Millionen

Wer, wie ich, ebenfalls an Depressionen leidet, für den ist das Buch definitiv lesenswert, weil es kein Ratgeber ist, sondern ein Bericht, ein Zeugnis einer Leidensgenossin, die genau wie 5 Millionen Deutsche jeden Tag einen Kampf ausfechten. Und natürlich begegnet man in dem Buch auch der „Außenwelt“, die teilweise kein Verständnis dafür hat, dass Depressive eben nicht „funktionieren“, sich „einfach nur zusammenreißen“ und „mehr lachen“ müssen. Auch für diese „Zeitgenossen“ ist ein Blick in das Buch sicherlich ratsam. Es zeigt, dass Depressionen jeden treffen können, und es nicht immer eine riesige Tragödie sein muss, sondern schon der Verlust des Arbeitsplatzes „ausreicht“, damit eine Depression sich ihre Bahn bricht.

5 von 5 Eselsöhrchen.

Vergebene Eselsörchen:

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